Über das Stück

 

  1. Akt

Eine talentierte Zeichenschülerin

Im Garten der Residenz 

Detmold 1878: die Residenzstadt ist mit ihren 8.000 Einwohnern eine überschaubare Kleinstadt. Zu dieser Zeit, als die Teenager noch „Back-

fische“ heißen, müht sich der Genremaler und Kunstlehrer, Ludwig Menke, den Schülerinnen der höheren Töchterschule das Zeichnen näher zu bringen. Mit mäßigem Erfolg. Nur eine seiner Schülerinnen besitzt eine außerordentliche Begabung und vor allem den Willen, sich ganz der Kunst zu widmen: Ida. Dass Ida das Malen zum Beruf machen will, versucht Menke ihr allerdings auszureden. Für höhere Töchter war damals nur ein Beruf denkbar, nämlich Ehefrau und Mutter. Gerade Ida, die nach dem frühen Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern als arme Verwandte in Detmold lebt, solle besser eine Ehe anstreben. Unterstützt wird Ida nur von Elisabeth, ihrer besten Jugendfreundin.

 

Aufbruch in die weite Welt

Doch Ida geht ihren eigenen Weg. Der allerdings beginnt erst 1891, nach-

dem sie mit 29 Jahren noch immer nicht verheiratet ist und endlich die Erlaubnis bekommt, ein Kunststudium in München an der Damenaka-

demie des Künstlerinnenvereins zu beginnen. München ist aber nur eine Durchgangsstation für sie, denn es zieht sie in die Kunstmetropole der Zeit: Paris.

 

In der Académie Colarossi, Paris

In Paris schreibt sie sich an der berühmten Académie Colarossi ein. Dort ist die Ausbildung modern und anders als an den staatlichen Akademien. Selbst Frauen dürfen dort das Aktzeichnen lernen. Kein Wunder, dass sich bei Colarossi ehrgeizige Kunststudentinnen aus der ganzen Welt ein-

finden, mit all ihren verschiedenen Ansichten, Träumen und Hoffnungen. So auch zwei weitere Detmolderinnen, die jüngere Jelka Rosen und die schon ältere Henriette de Rege. Aber auch die reiche Amerikanerin, Ms. Scudder, und sogar die Tochter des französischen Premierministers, Josephine Meliné, nehmen bei Gustave Courtois Unterricht. Jelka ist keinem Flirt abgeneigt und das männliche Modell der Damenklasse auch nicht.

 

Ida verkehrt in höheren Kreisen

Über Josephine bekommt Ida Zutritt in die höchsten internationalen Kreise. Dort findet Ida ihre Charakterköpfe, die sie porträtiert, beispielsweise den preußischen Militärattaché von Schwartzkoppen. Sich in der Pariser High Society als deutsche Kleinstädterin zu bewähren, ist nicht immer leicht und zuweilen auch anstrengend. Dies müssen Ida und die anderen Detmolderinnen auf einer Abendgesellschaft bei Melinés feststellen. Doch bevor über so brisante Themen wie die Dreyfuss-Affäre und die Frage der Gleichstellung der Geschlechter der nächste deutsch-französische Privatkrieg ausbricht, glättet Musik die Wogen.

 

Bal Bullier

Die ganze Gesellschaft bricht auf, um den Abend in einem der legendären Vergnügungslokale, dem Bal Bullier, ausklingen zu lassen.

 

 2. Akt

 

Idas Atelier - in Paris

Mit 35 Jahren ist Ida endlich der Durchbruch gelungen. Bilder von ihr werden auf der großen Pariser Kunstausstellung gezeigt und sie hat damit Erfolg. Ganz Paris spricht über ihren von Schwartzkoppen. Aus diesem Anlaß versammelt sich ein Kreis von Künstlern, Sammlern und Auftrag-

gebern in ihrem Wohn-Atelier und feiert Ida mit Tänzen. Darunter die Künstlerinnen Julie Wolfthorn, Adele von Finck und sogar der berühmte Rodin besuchen Ida. Auch der reiche Erbe und Kunstsammler Karl-Ernst Osthaus und ein weiterer Auftraggeber, ein Zinnfabrikant aus Lüdenscheid, finden den Weg in ihr Atelier. Einerseits geschmeichelt, andererseits von der Aufmerksamkeit auch erdrückt, flieht Ida mit ihrer Künstlerkollegin und Freundin Jelka aufs Land, um dort in einer Künstlerkolonie bei Grez sur Loing endlich wieder ihrer Malerei nachgehen zu können.

 

In Grez

Ganz nach dem Motto „Zurück zur Natur“ genießen die beiden dort das Landleben, das sie sich auf dem neuen modernen Verkehrsmittel, dem Velo, erobern. Beide verbindet eine tiefe Frauenfreundschaft und es beginnt eine produktive Schaffensphase mit Landschaftsstudien, Gartenbildern und Aktmotiven. Auch Frederick Delius hat Grez als neuen Schaffensort für seine Kompositionen gewählt. Während einer zufälligen Begegnung entsteht der Plan, einen gemeinsamen Haushalt zu führen und so entsteht – ganz unkonventionell – eine kleine Künstler-WG.

 

Zu Dritt - in Grez

Getragen von gegenseitiger Sympathie füreinander und beflügelt von der landschaftlichen Schönheit des Ortes ist Kunst Leben und Leben Kunst. So könnte es ewig weiter gehen, wäre da nicht die Romanze zwischen Jelka und Frederick, die Ida immer mehr zum dritten Rad am Wagen werden lässt. Außerdem beansprucht Delius als Mann natürlich das Künstlergenie zu sein, neben dem kein Platz ist für andere Künstler, schon gar nicht für Künstlerinnen. Als Jelka schließlich mitteilt, dass Frederick und sie heiraten werden, zieht Ida sich tief enttäuscht zurück. Sie bricht die Freundschaft und geht zurück nach Paris.

 

 3. Akt

 

Apachenkneipe - in Paris

Getragen von ihrer trotzigen Stimmung wagt Ida in Paris wieder etwas Neues. Als Frau verkehrt sie in jenen zwielichtigen Kneipen bei den Markthallen, den Apachenkneipen, in denen sich die Pariser Halbwelt trifft. Besonders fasziniert ist sie von einer Chanteuse, der schon etwas in die Jahre gekommenen Sängerin, Schauspielerin und Mätresse Madame Riau. Im schummrigen Licht entsteht dort Idas stärkstes Bild. Leider ist die Kunstwelt ganz anderer Meinung. Keine Ausstellungen und eine angeschlagene Gesundheit, das ist der Preis, den Ida für ihr Bohemian-Leben und ihr Streben nach Unabhängigkeit zahlen muss.

 

Idas Atelier - in Paris

Es kommt noch schlimmer. Ohne Ausstellungen mangelt es an Verkäufen und an Aufträgen. Damit nicht genug, immer weniger ist sie bereit, sich den Auftraggebern zu unterwerfen, sondern will ihren eigenen Stil zeigen. Für konservative Zeitgenossen ist der allerdings zu modern, wer will schon seine Liebsten als Harlekine im Wohnzimmer hängen haben? Immer mühsamer wird es, sich als Künstlerin über Wasser zu halten. Auch der Versuch, eine feste Anstellung als Professorin an der Malschule von Osthaus zu erhalten, scheitert. Erschöpft, resigniert und todkrank zieht Ida sich zu ihrem Bruder nach Lüdenscheid zurück und stirbt dort.

 

Idas Gedächtnisausstellung - Düsseldorf 1927

Was bleibt? Die Gedächtnisausstellung. Die Erde auf ihrem Familiengrab in Detmold ist noch feucht, da widmet ihr der Kunstverein der Rheinlande in Düsseldorf eine große Gedächtnisausstellung. Endlich erkennt man, wie modern Ida war. Endlich der wohlverdiente Ruhm, postum, doch der kommt zu spät.